Pixabay

Computertechnologie gewinnbringend einsetzen

Kooperationsvereinbarung zum "Hamburger Schulungsmodell" für Schreiner geplant

Bleistift, Hobel und Säge waren gestern. Längst sind im Schreinerhandwerk CAD- und CNC-Anwendungen eine Selbstverständlichkeit und Teil der Meisterausbildung geworden. Ein automatisiertes, computergesteuertes Bearbeitungszentrum ist allerdings eine hohe Investition und sollte im Betrieb möglichst gewinnbringend eingesetzt werden. 

Vor diesem Hintergrund will die Handwerkskammer Konstanz in ihrer Waldshuter Bildungsakademie Schreiner auf dem aktuellen Stand der Technik schulen und dabei als erster süddeutscher Partner eng mit dem Institut für Angewandte Bautechnik (ABT) der Technischen Universität Hamburg zusammenarbeiten. Dieses hat im sogenannten „Hamburger Modell“ ein Schulungskonzept entwickelt, das dazu beiträgt, die Produktivität durch sinnvoll aufeinander abgestimmte technologische und strukturelle Umstellungen in Schreinerbetrieben deutlich zu steigern.

Mit moderner Fertigungstechnik ...

Im Mittelpunkt steht dabei eine CAD/CAM-Software, die es ermöglicht, Zeichnungen in einem weitgehend automatisierten Verfahren an das Bearbeitungszentrum zu übergeben. Somit ist keine (Nach-)Programmierung an der Maschine mehr nötig. Für Schreinerbetriebe bedeutet das eine noch effizientere Produktion von Unikaten. „Digitales Aufmaß, CAD Planung, Präsentation von fotorealistischen Möbel- und Raumdarstellungen, Stückliste, optimierter Zuschnitt der Plattenmaterialien, Kalkulation und CNC-Produktion: Die durchgängige digitale Kette spielt den vollen Vorteil von moderner Fertigungstechnik aus“, sagt Stephan Schmidt, Schreinermeister, Gestalter im Handwerk sowie Dozent an der Bildungsakademie Waldshut, der als dortiger Projektleiter der Kooperation mit dem ABT der TU Hamburg agiert. Über gemeinsame Schnittstellen könne noch leichter mit Kollegen zusammengearbeitet und entsprechend aufbereitete CAD-Zeichnungen von Betrieben mit Bearbeitungszentren einfach produziert werden, so Schmidt weiter.

Die zunehmende Automatisierung wird sich auf die herkömmlichen Arbeitsteilungen in Schreinerbetrieben auswirken: Die Arbeitsvorbereitung, die vormals in der Werkstatt angesiedelt war, findet dann im Büro statt. Mitarbeiter müssen sich zukünftig auf die neuen Anforderungen einlassen und entsprechende Zusatzqualifikationen erwerben. 

... erfolgreich in die Zukunft

„Um die handwerkliche Produktionsweise in eine solch zukunftsfähige Richtung zu lenken, sind neue Innovationsstrategien unter Einbezug der Rahmenbedingungen vor Ort notwendig. Ganz konkret bedeutet das, dass sich Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen mit Handwerk und Wissenschaft noch stärker vernetzen müssen. Nur durch den Ausbau solcher Kooperationen gelingt es uns, das Handwerk erfolgreich in die Zukunft zu führen“, betont Michael Ludolph, Oberingenieur des Instituts für Angewandte Bautechnik der TU Hamburg. 

Georg Hiltner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz und damit auch verantwortlich für die Bildungsakademie Waldshut, ergänzt: „Die geplante Kooperation sehe ich als große Chance für unsere Betriebe, denn die Digitalisierung schreitet voran und wir müssen im Handwerk die neuen Möglichkeiten gewinnbringend nutzen. Daher freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Bautechnik, das uns hier mit seiner Expertise unterstützen wird“.

Im Herbst erhält die Bildungsakademie ein neues computergesteuertes 5-Achs-Bearbeitungszentrum für die Schreinerwerkstatt. Dann sollen bald schon die ersten Schulungen nach dem „Hamburger Modell“ starten.