Handwerkskammer Konstanz

Überaus erfolgreich

Die überbetriebliche Ausbildung sichert Qualität im Handwerk - Förderung von Bund und Land

Neue Technologien erproben, neue Fertigkeiten erwerben, neue Erfahrungen sammeln: Das steht für Lehrlinge bei der überbetrieblichen Ausbildung alljährlich auf dem Programm. Die gemeinsame ÜBA ist ein fester Bestandteil der praktischen Ausbildung im Handwerk – und ein wichtiges Instrument, um ihre Qualität zu sichern. Das sieht man auch staatlicherseits so und fördert die Lehrgänge aus Steuermitteln. Gerade hat Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid einen Förderbescheid über 581.000 Euro an die Handwerkskammer Konstanz übergeben. Das Land unterstützt damit die 656 überbetrieblichen Berufsausbildungslehrgänge in den Bildungsakademien Singen, Waldshut, Rottweil und in der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen. Rund 7.000 Teilnehmerwochen finden dort jährlich statt – und die ins Laufen zu bringen, ist sowohl organisatorisch wie finanziell ein ziemlicher Kraftakt mit etlichen Beteiligten. Hier das Wichtigste in Kürze:

Wer bezahlt was?

Rund 3,4 Millionen Euro kosten die ÜBA-Lehrgänge in den Bildungshäusern der Handwerkskammer Konstanz insgesamt im Jahr. Darin enthalten sind die Lehrgangskosten, vom Gehalt für die Lehrmeister über Material bis zu den Gemeinkosten. Im Durchschnitt sind das 450 Euro pro Woche und Teilnehmer. Dazu kommen Fahrtkostenzuschüsse und eventuell anfallende Kosten für die Unterbringung.

Ein Drittel dieser Gesamtkosten übernimmt die öffentliche Hand, denn außer den Landeszuschüssen gibt es auch eine Förderung aus Bundesmitteln. Der ganze Rest wird vom Handwerk selbst getragen – zu einem Teil aus Gebühren, die die Ausbildungsbetriebe für die Teilnahme ihrer Azubis entrichten, zum anderen und größeren Teil aus einem Sonderbeitrag, den alle Betriebe der jeweiligen Gewerke für den Ausbildungsfinanzausgleich (AFA) entrichten. An diesem Solidarbeitrag beteiligen sich bei der Handwerkskammer Konstanz 23 Berufe, vom Bäcker bis zum Zweiradmechaniker. Andere Berufsgruppen, zum Beispiel die Bauberufe, sind in jeweils eigenen Systemen organisiert.



Wie läuft es?

Die überbetriebliche Ausbildung ist in den meisten Berufen verbindlicher Bestandteil der dualen Ausbildung. Nach dem Berufsbildungsgesetz ist daher jeder Lehrling verpflichtet, die Angebote wahrzunehmen. Dazu ist er von seinem Ausbildungsbetrieb freizustellen. Um alles weitere kümmert sich dann die jeweilige Handwerkskammer bzw. der Verband, der die überbetriebliche Ausbildung organisiert. Sie stimmen die Termine ab, verschicken Einladungen und besorgen, falls notwendig, vor Ort eine Unterkunft. Auch die Fahrtkosten, die der Betrieb zunächst für seinen Lehrling auslegen muss, werden von der Kammer automatisch bezuschusst.

Eine weitere Besonderheit der überbetrieblichen Ausbildung: Weil bei über 100 Ausbildungsberufen im Handwerk nicht jede Kammer alles anbieten kann, hilft man sich gegenseitig aus. So haben sich gerade für seltene Berufe spezielle Kompetenzzentren entwickelt. Die Bildungsakademie Rottweil beispielsweise ist landesweit die einzige ÜBA-Stätte für Ofen- und Luftheizungsbauer. Und nach Tuttlingen pilgern Chirurgiemechaniker aus dem ganzen Bundesgebiet. Umgekehrt müssen etwa Bootsbauer vom Bodensee zur ÜBA an die Ostsee reisen. Nicht nur bei den Anfahrtszeiten, sondern auch beim gesamten zeitlichen Aufwand gibt es Unterschiede zwischen den Gewerken: So kommen beispielsweise Bäcker mit einer Woche ÜBA pro Lehrjahr aus, Stukkateure dagegen sind 18 Wochen lang dabei.

Was bringt es?

Dem Azubi jede Menge. Schließlich kann er in der ÜBA einen Blick über den Tellerrand werfen. Und das kommt auch dem Ausbildungsbetrieb zugute. Denn alles, was im Alltagsgeschäft nicht vermittelt werden kann, zeitaufwändig ist oder besonders hohe Kosten verursachen würde, kann in der ÜBA erlernt werden. Dann muss beispielsweise ein Metallbauer nicht eigens die CNC-Maschine anwerfen oder der Bäcker auf zu vielen Brötchen sitzenbleiben, um seinem Lehrling den letzten Kniff beizubringen.
Was genau in der ÜBA gelehrt wird, orientiert sich an den Ausbildungslehrplänen und wird mit Verbänden und Innungen abgestimmt. Damit gelingt der Spagat, nah an den Anforderungen der betrieblichen Praxis zu sein und gleichzeitig einen hohen und bundesweit einheitlichen Standard in der Ausbildung zu garantieren. Und davon profitieren am Ende alle, die qualifizierte Fachkräfte in ihrem Betrieb brauchen.
Ansprechpartner für die Überbetriebliche Ausbildung bei der Handwerkskammer Konstanz ist Tobias Greis, Tel. 07531/205-227, E-Mail: tobias.greis@hwk-konstanz.de .



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Sich professionell ausprobieren: Das ist das Rezept der überbetrieblichen Ausbildung, hier mit angehenden Konditorinnen und Konditoren und Lehrmeister Klaus-Dieter Wolber in der Bildungsakademie Rottweil.

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Unterstützung für den Fachkräftenachwuchs und die Qualität der Ausbildung im Handwerk: Wirtschaftsminister Nils Schmid bei der Übergabe des Förderbescheids an Handwerkskammerpräsident Gotthard Reiner und Hauptgeschäftsführer Georg Hiltner (v.l.)