Handwerkskammer Konstanz

Was ist meisterlich?

Bei der Meisterprüfung der Feinwerkmechaniker in der Bildungsakademie Singen zählen neue Ideen und durchdachte Konstruktionen

„Es gibt keinen Grund zur Aufregung“, sagt Thomas Beurer zu dem jungen Mann, der vor der Metallwerkstatt der Bildungsakademie Singen wartet und ein bisschen nervös von einem Bein auf das andere tritt. Drinnen steht sein Meisterstück, eine Handhebelschere zum Schneiden von Blechen, selbst konstruiert und gefertigt in wochenlanger Arbeit, mit tausend Überlegungen vom kleinsten Schräubchen bis zum Zahnrad und der Zahnstange, die für den Antrieb sorgen. Das ist Felix Allweiers ganzer Stolz, denn so etwas hat sonst keiner. Jetzt wird sein Werk von den Prüfern auseinandergenommen und er soll erklären, was er sich dabei gedacht hat. Da kommen ein paar beruhigende Worte vom Vorsitzenden des Prüfungsausschusses gerade recht.

Neues Prüferteam setzt auf Projektarbeit

Thomas Beurer weiß, wie wichtig das ist: eine entspannte Atmosphäre, ein perfekt organisierter Ablauf vom ersten bis zum letzten Prüfungstag. Schließlich hat er vor Jahren selbst den Meister gemacht und ist heute Berufstherapeut im Hegau-Jugendwerk in Gailingen. Vor einem Jahr hat er den Vorsitz der Prüfungskommission übernommen und eine engagierte Mannschaft von ehrenamtlichen Prüfern um sich geschart. Drei von ihnen sind heute im Einsatz, um dem Berufsnachwuchs auf den Zahn zu fühlen und zu entscheiden, welche der eingereichten Werkstücke die Bezeichnung „meisterlich“ verdient haben.

Die Bewertung ist keine leichte Aufgabe, denn erstmals ging es bei der Meisterprüfung der Feinwerkmechaniker um ein komplettes Projekt, von der ersten Skizze über die Kalkulation und Fertigung bis zur Präsentation. Jeder der zwölf Kandidaten, die sich in der Bildungsakademie ein halbes Jahr lang auf diesen Tag vorbereitet haben, hat eine eigene Lösung gefunden und entsprechend unterschiedlich sehen die Ergebnisse aus. Lehrmeister Bernd Linder ist sich trotzdem sicher: „Die schaffen das.“ Es sei eine gute Klasse gewesen, die sich mit viel Ehrgeiz in das „Projekt Meister“ gestürzt habe.

Viel Engagement für den Berufsnachwuchs

Das zahlt sich auch in den Augen der Prüfer aus: „Toll, was die auf die Beine gestellt haben und welche Entwicklung man da beobachten kann“, findet Peter Röther. Mit 27 Jahren ist er das jüngste Mitglied der Prüfungskommission und nur wenig älter als die angehenden Meister selbst. Über vier Jahrzehnte Berufserfahrung bringt dagegen sein Kollege Rainer Küssner mit in den Ausschuss – und ist ebenfalls beeindruckt von der Qualität der Stücke: „Wenn man gerne in seinem Beruf gearbeitet hat, will man auch sehen, wie es weitergeht und freut sich, wenn nichts verloren geht“, sagt der gelernte Werkzeugmacher, der lange als Leiter in der Konstruktion gearbeitet hat, zu seinem Engagement für den Meisternachwuchs.

Dieses Engagement kostet viel Zeit und Mühe, denn mit den Prüfungstagen alleine ist es nicht getan. Schon im Januar hat das Prüferteam rund um Thomas Beurer mit den Vorbereitungen begonnen, sich in zahlreichen Sitzungen nach Feierabend getroffen und an der Aufgabenstellung getüftelt. Die Prüfungsordnung gibt für den fachpraktischen Teil nämlich nur den Rahmen vor. Was einen Meister heute wirklich ausmacht, was er braucht, um auf dem neuesten Stand zu sein und auf wachsende Ansprüche und Kundenwünsche reagieren zu können, das wissen letztlich nur die, die es schon sind: die Meister eines Gewerks. Deshalb war es Beurer und seinen Mitstreitern auch ein besonderes Anliegen, die Prüfung durch die Projektarbeit noch praxisnäher auszurichten statt nur punktuelles Wissen abzufragen.

Gut vorbereitet für die Praxis

Eine gute Stunde später kommt auch Felix Allweier wieder aus der Werkstatt gelaufen – mit einem breiten Lächeln im Gesicht. „Das mit dem Projekt war super“, sagt er. „So zählt es, wenn man sich Gedanken gemacht hat.“ Genau dieses „Weiterdenken“ sei es, was er während seiner Zeit an der Bildungsakademie gelernt habe. Dass er Meister werden wolle, sei ihm von Anfang an klar gewesen, schließlich sind seine zwei Brüder auch Handwerksmeister. Ein Studium oder ein reiner Bürojob wären für ihn nie in Frage gekommen. „Ich will auch in Zukunft zumindest zur Hälfte in der Werkstatt stehen und etwas Praktisches tun“, sagt der 24-Jährige. Und auch wenn sein Betrieb vorerst keine Meisterstelle für ihn frei hat, gelte für den Titel: „Wenn man ihn hat, dann hat man ihn.“

Hintergrund:

Jedes Jahr legen über 300 Handwerkerinnen und Handwerker im Bezirk der Handwerkskammer Konstanz erfolgreich ihre Meisterprüfung ab. Der Meistertitel ist international anerkannt und steht auf einer Stufe mit dem Bachelor. In vielen Gewerken ist er die Voraussetzung für die Selbständigkeit. Meister können Betriebe gründen oder übernehmen, Führungspositionen besetzen und den handwerklichen Nachwuchs ausbilden.

All das setzt umfassendes praktisches und theoretisches Fachwissen, aber auch betriebswirtschaftliche und pädagogische Kenntnisse voraus. Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung bietet die Handwerkskammer Konstanz in der Bildungsakademie in Singen, Rottweil und Waldshut sowie im Beruflichen Bildungszentrum Tuttlingen Meisterkurse an.

Mehr über den Weg zum Meister finden Sie unter www.hwk-konstanz.de und unter www.bildungsakademie.de .

Bilder:

64-Meisterprüfung Feinwerkmechaniker
Handwerkskammer Konstanz
Von wegen fachsimpeln: Bei der Meisterprüfung geht es um komplexe Zusammenhänge und komplizierte Details. Schließlich sind hier Fachleute wie Meisterschüler Felix Allweiler (links) und Prüfer Rainer Küssner unter sich.



64-Meisterprüfung Feinwerkmechaniker-Prüfer und Lehrmeister
Handwerkskammer Konstanz
Im Einsatz für die Meister von morgen (v.l.): Prüfer Peter Röther, Lehrmeister Bernd Linder, Prüfer Janfried Seeburger , Prüfer Rainer Küssner und Thomas Beurer, Vorsitzender des Prüfungsausschusses für die Meisterprüfung der Feinwerkmechaniker. (Fotos: Handwerkskammer Konstanz)